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        <title>kbs riding - Lesestoff</title>
        <link>http://www.kbs-riding.de/lesestoff/</link>
        <description>kbs riding - Lesestoff</description>
                    <item>
                <title>Schulterherein macht glücklich</title>
                <link>http://www.kbs-riding.de/lesestoff/params/post/4059028/schulterherein-macht-glucklich</link>
                <pubDate>Sat, 14 May 2022 07:37:00 +0000</pubDate>
                <description>&lt;p&gt;&lt;b&gt;&lt;img src=&quot;https://site-647779.mozfiles.com/files/647779/medium/20220513_120757.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;b&gt;Die
Seitengänge bei Nuno Oliveira&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;b&gt;(erschienen in &quot;Feine Hilfen&quot; Nr. 51 Februar/März 2022)&lt;br&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;von
Kathrin Brunner-Schwer&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;b&gt;Die
Seitengänge waren für Nuno Oliveira der ultimative Weg zur
Losgelassenheit. Er betrachtete Schulterherein und Traversarbeit als
„unverzichtbare“ Mittel der Gymnastizierung. Er sprach dabei von
der „Geschmeidigmachung“ und setzte Seitengänge vornehmlich zur
Lockerung des Pferdes ein. &lt;/b&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Seitengänge
waren für Nuno Oliveira (1925 – 1989) unbedingte Grundlagen guter
Dressurarbeit. Schon vor dem Einreiten brachte er den jungen Pferden
die ersten Seitwärtstritte am Boden bei. Dreh- und Angelpunkt seiner
Gymnastizierung mittels der Seitengänge war das Schulterherein, sein
Mittel der Wahl für die Lockerung der Wirbelsäule, für die
Geraderichtung, für Versammlung und das „runden“ des Pferdes,
wie seine Schwiegertochter Sue Oliveira (1950 – 2007) ihn immer
zitierte. Allerdings möchte ich an dieser Stelle gleich zu Anfang
etwas klar stellen. Beim Thema Seitengänge und Nuno Oliveira
existiert eine Art Zerrbild des portugiesischen Reitmeisters, das
wohl auf die mangelhaften Archiv-Filmschnipsel zurückzuführen ist,
die im Internet grassieren: Nuno Oliveira ist dort sehr oft nur in
Seitengängen zu sehen. Was eben nicht zu sehen ist: Zwischen den
einzelnen Reprisen der Seitengänge ließ es seine Pferde immer
wieder in Dehnungshaltung gehen, wobei er sehr genau auf die
Geraderichtung achtete. Er erwähnt dies auch immer wieder in seinen
Büchern, allerdings nur in Nebensätzen, weil er das als eine
Selbstverständlichkeit erachtete. Auch Sue Oliveira ließ ihre
Schüler zwischendrin immer wieder in Dehnungshaltung reiten –
Schritt, Trab und Galopp. 

&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;b&gt;Schulterherein
als Schlüssellektion&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
„Stets,
gewiss und auf jeden Fall beginne ich die Ausbildung eines Pferdes
mit keiner anderen Übung als mit Schulterherein“, schreibt Nuno
Oliveira in „Gedanken über die Reitkunst“ (Olms Verlag 1999). Er
folgte damit François Robichon de la Guérinière (1688–1751), dem
die Erfindung der Schulterherein nachgesagt wird und von dem das
folgende Zitat stammt: „Das Schulterherein ist die erste und die
letzte Schule, in der man ein Pferd unterrichten muss.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das
Schulterherein betrachtete Nuno Oliveira als die Schlüssellektion
schlechthin. Allerdings: Während die Deutsche Reitlehre das
Schulterherein nur auf &lt;i&gt;drei&lt;/i&gt;
Hufpisten und mit einer Abstellung von etwa 30 Grad lehrt (wobei die
Hinterfüße parallel spuren und nur die Vorderfüße kreuzen), ritt
Nuno Oliveira diese Übung auf &lt;i&gt;vier&lt;/i&gt;
Hufpisten und mit einer Abstellung von 45 Grad. Das hat zur Folge,
dass sich die Hinterhand senkt, weil das jeweilige hintere Innenbein
des Pferdes sowohl kreuzt als auch nach vorne tritt. Das innere
Hinterbein des Pferdes tritt also in Richtung eines gedachten „X“
in der Mitte des Pferdebauchs – es nimmt vermehrt Gewicht auf, und
zwar erheblich mehr als bei der Abstellung in der Deutschen
Reitlehre. Dabei nimmt man die Schultern des Pferdes deutlich weg von
der Wand. In „Zuhause bei Nuno Oliveira“ (Olms Verlag 2007)
zitiert ihn Eleanor Russell: „... es sollte &#039;Schulter&lt;b&gt;n&lt;/b&gt;herein&#039;
heißen, nicht &#039;Schulterherein&#039;, weil beide Schultern innen sind, die
eine ein bisschen mehr als die andere“ - die Folge der 45 Grad
Abstellung. 

&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und so
lehrte Nuno Oliveira das Schulterherein (hier das Beispiel auf der
linken Hand). Sein oberstes Prinzip dabei: innerer Schenkel und
äußerer Zügel.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
	&lt;li&gt;&lt;p&gt;Weil
	die Schultern des Reiters oder der Reiterin immer parallel zu den
	Schultern des Pferdes sein sollten, nimmt man die innere, linke
	Schulter leicht zurück. Prinzipiell gilt: Die innere Schulter
	ersetzt den inneren Zügel. Ist sie zurück, braucht man man
	wesentlich weniger inneren Zügel;&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
	&lt;li&gt;&lt;p&gt;Das
	innere Bein liegt locker vorne am Sattelgurt (Stichwort „das Pferd
	ist um den inneren Schenkel geborgen“), das äußere Bein liegt
	leicht zurück; 
	&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
	&lt;li&gt;&lt;p&gt;Der
	innere Zügel ist leicht geöffnet und locker, der äußere Zügel
	begrenzt und kontrolliert; um die Schultern des Pferdes von der
	Bande weg zu führen, nimmt man beide Hände kurz nach innen (in dem
	Fall nach links): Der äußere Zügel bringt so die Schultern
	herein. Dann nimmt man die Hände sofort wieder in die normale
	Stellung. Der Hals des Pferdes ist nur minimal nach innen gebogen;&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
	&lt;li&gt;&lt;p&gt;Wenn
	man mit dem äußeren Zügel die Schultern des Pferdes „herein“
	genommen hat, hält man die Hinterhand mit dem Sitz auf dem
	Hufschlag. So verhindert man das Abdriften des Pferdes nach innen;&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
	&lt;li&gt;&lt;p&gt;Das
	innere Bein des Reiters oder der Reiterin gibt – aber nur wenn
	nötig – einen treibenden Impuls, das äußere Bein begrenzt
	lediglich;&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
	&lt;li&gt;&lt;p&gt;Man
	bleibt unbedingt in der Mitte des Pferdes sitzen. Jede
	Gewichtsverlagerung bringt das Pferd aus dem Gleichgewicht, es fällt
	dann entweder auf die innere oder die äußere Schulter. Ausnahme:
	Beim jungen Pferd, das das Schulterherein lernen soll, darf man sein
	Gewicht maximal um ein Pfund Butter in den äußeren Steigbügel
	verlagern;&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
	&lt;li&gt;&lt;p&gt;Der
	Schritt des Pferdes sollte langsam und in einem gleichmäßigen Takt
	sein, weil es so vor allem die Hinterbeine besser kreuzen und nach
	vorne setzen, will heißen Gewicht aufnehmen kann. Das Gleiche gilt
	im Trab. Im Trab ist der Takt essentiell für ein gelungenes
	Schulterherein;&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
	&lt;li&gt;&lt;p&gt;Besonders
	wichtig bei Schulterherein ist die Vorbereitung: Man reitet das
	Pferd unbedingt und korrekt in die Ecke, um die auf diese Weise
	„gewonnene“ Biegung mitzunehmen. Ein berühmtes Zitat von Nuno
	Oliveira: „Jede Ecke ist eine kleine Schulterherein“. Es ist
	sehr viel Wahres daran: Allein beim Durchqueren der (gut
	ausgerittenen) Ecke setzt das Pferd sein inneres Hinterbein bereits
	mehr unter.&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer
Schulterherein auf diese Art reitet, wird sehr schnell bemerken, wie
das Pferd plötzlich leicht wird in der Hand, wie es sich zunehmend
konzentriert. Später kann man diese Konzentration überprüfen,
indem man zuerst ein descente de main (das Fallenlassen der Hand) mit
dem inneren Zügel anbietet und deutlich mit der Hand nachgibt –
zunächst nur ein paar Tritte. Wenn das Pferd dann in der perfekten
Haltung bleibt, kann man auch mit dem äußeren Zügel nachgeben.
Nuno Oliveira überprüfte die Schulterherein außerdem noch gerne,
indem er in Schulterherein anhielt und wieder anritt. Oder (und das
ist wirklich schwer): Man reitet ein Schulterherein an der langen
Seite, bei deren Hälfte man eine große Volte einlegt, um dann den
Rest der langen Seite wieder in Schulterherein zu absolvieren. Klappt
diese große Volte, ohne dass das Pferd schief wird, schwankt oder
aus dem Takt kommt... dann ist man Schulterherein-Weltmeister. Und
das Pferd in absolutem Gleichgewicht. 
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nur: Was
sich so einfach liest, ist meiner Erfahrung nach in der Regel
schwierig, umzusetzen. Entweder, weil man es falsch gelernt hat, oder
weil man unwillkürlich versucht, beim Schulterherein die Hinterhand
des Pferdes mit dem inneren Schenkel nach hinten gelegt in Richtung
Bande zu drücken während man am inneren Zügel zieht – was
natürlich unmöglich funktionieren kann. Viele Reiterinnen und
Reiter sitzen dann auch noch nach innen, um ihr Pferd „rauszudrücken“
und ziehen dabei meistens das innere Knie hoch. Doch wie will man 500
Kilogramm Lebendgewicht „rausdrücken“? Das könnte nicht mal
Arnold Schwarzenegger, wie Sue Oliveira immer wieder trocken
kommentierte. In Folge dessen verwirft sich das Pferd und wird
verkrampft versuchen, irgendwie seitlich zu gehen. So bitte nicht!
Beim Schulterherein auf vier Hufpisten geht es um die „Lenkung“
der Pferdeschultern. Die müssen weg von der Bande. 
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wie
enorm wichtig dem portugiesischen Reitmeister das Schulterherein war,
machte er in seinen Schriften unmissverständlich klar und griff
dabei auch zu ziemlich drastischen Worten. Eleanor Russel zitiert ihn
wörtlich folgendermaßen: „Sehen Sie sich das so genannte
Schulterherein an, wie man es oft sieht, bei welchem der Reiter am
inneren Zügel zieht, nach innen hängt, den Schenkel zurückzieht,
um dem armen Tier den Sporn zu geben, der es zwingt, sich so verdreht
zu bewegen. (…) Ich würde das schlecht ausgeführte Verrenkungen
nennen, und es wäre besser, diese schlechten Verrenkungen überhaupt
nicht zu reiten.“ 
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Erst
nachdem das Pferd Schulterherein (und natürlich auch
Konterschulterherein) beherrscht, ging Nuno Oliveira zur
Traversarbeit über. Das Prinzip ist logisch: Durch die Arbeit in
Schulterherein hat das Pferd gelernt, sich um den inneren Schenkel zu
biegen und ihn zusammen mit dem äußeren Zügel anzunehmen. Die
Hilfen sind ähnlich wie beim Schulterherein, nur dass der innere
Zügel nicht offen sondern eher zu ist, will heißen, er kann sich
auch mal in Richtung des äußeren Zügels bewegen, um die Stellung
des Pferdehalses zu korrigieren. Der äußere Zügel wiederum „lenkt“
die Pferdeschultern, indem er kurz nach innen genommen wird, um die
Schultern in Richtung des Travers zu stellen. Nuno Oliveira pries den
Wechsel zwischen Schulterherein, Konterschulterherein, Traversalen,
Travers und Renvers immer wieder an, weil sie „das Pferd entspannen
und aufnahmefähiger machen“. „Je mehr man sie reitet, desto
leichter wird das Pferd und desto besser versammelt es sich“,
zitiert ihn Eleanor Russell. Man müsste noch hinzufügen: „Desto
williger konzentriert es sich“. Und desto glücklicher wird der Mensch obendrauf. Fakt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;(Foto: Evi Kuenstle)&lt;br&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;&lt;br&gt;&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;br&gt;&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;&lt;br&gt;&lt;p&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;</description>
            </item>
                    <item>
                <title>Galopp ist kein Hexenwerk</title>
                <link>http://www.kbs-riding.de/lesestoff/params/post/1761282/</link>
                <pubDate>Sun, 07 Apr 2019 10:17:00 +0000</pubDate>
                <description>&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;img src=&quot;//site-647779.mozfiles.com/files/647779/1229987_728844873808206_1537619283_n.jpg?1554633787&quot;&gt;&lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Von
Kathrin Brunner-Schwer
&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Auf meinen Lehrgängen stoße ich immer wieder auf das eine Thema: den Galopp. Meistens ist dieses Thema mit Angst besetzt. Hier nun ein paar Grundsätze dazu.&lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Der
Galopp ist der Wiener Walzer der drei Grundgangarten. Galopp kann
entspannen, den Schwung verbessern und sogar als Belohnung (!) eingesetzt
werden. Bei vielen Pferden fördert der Galopp die Losgelassenheit
effektiver als der Trab. Und ein schön gesetzter, kadenzierter
Galopp ist für das Pferd weniger anstrengend als Trab. In seiner
versammelt-leichten Variante ist Galopp schlichtweg ein Tanz. Und
nach den Oliveira-Prinzipien geritten eine Freude.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;„Achten
Sie auf die Reinheit der Gangart, auf die Abfolge von drei Sprüngen!
Der Rest ist wenig“,
betonte Nuno Oliveira in allen seinen Schriften immer wieder. Aber
was meinte er mit der „Reinheit“ des Galopps? Oliveira meinte
damit den Dreitakt aus der Hinterhand. Den  Galopp im Viertakt
geißelte er als „disgracieux“, als „häßlich“. Und auch
seine Schwiegertochter Sue Oliveira korrigierte alle Schüler, die im
Viertakt daher kamen mit den Worten: „Dein Pferd galoppiert auf den
Schultern – das ist kein
Galopp!“&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Galopp
ist kein Hexenwerk. Galopp ist die einfachste der drei
Grundgangarten. Er ist allerdings nur dann die einfachste, wenn die
anderen beiden Gangarten stimmen. Schritt und Trab und ganz besonders
die Übergänge zwischen beiden müssen sitzen,
ohne dass sich das Pferd im Übergang versteift, verwirft oder
auseinander fällt. Das Pferd muss sich im Trab bereits ein wenig
versammeln lassen, ohne dass es an Energie verliert und der Takt muss
stimmen. Will heißen, das Pferd ist in beiden Grundgangarten
ausbalanciert und gerade. Und zwar vor
allem
gerade!
Wenn das Pferd zum Angaloppieren nicht gerade ist – und das gilt
hier vor allem für das junge Pferd – dann kann das Ganze in einem
unkontrollierten Schweinsgalopp enden, der für beide Beteiligten
höchst unangenehme Folgen haben kann. Aus diesem Grund ist der
Galopp auch ein Angstthema bei manchen Reitern. Das muss aber
nicht sein: Die Oliveira-Prinzipien für einen korrekten Galopp haben mir
vor Jahrzehnten das Unbehagen davor genommen, das so viele deutsche
Reitlehrer mir zuvor erfolgreich eingepflanzt hatten. Auch auf einem
jungen Pferd fühlte ich mich im Galopp plötzlich sicher.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;In
der Frage der „richtigen“ Galopphilfen gibt es bei Oliveira kein
Dogma. „Ich weiß, dass es eine immerwährende, große Diskussion
darum gibt, ob mit dem inneren oder dem äußeren Schenkel
angaloppiert werden soll“, sagt Nuno Oliveiras Enkel Gonçalo,
der in Mailand lebt und unterrichtet. „Wir
Oliveiras jedenfalls galoppieren mit dem äußeren Schenkel. Der
Innere bleibt am Platz und greift nur ein, wenn der Schwung
nachlassen sollte, beziehungsweise wenn ich das Pferd im Galopp nach
einem Schulterherein oder einer Traversale frage, wo es sich um den
inneren Schenkel biegen soll.“ Auch Sue Oliveira plädierte für
den äußeren Schenkel, weil er beim ersten, wichtigsten Galoppsprung
effektiver dazu beiträgt, das Pferd gerade zu halten. Und das
stimmt. Es ist in der Tat einfacher.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Das
Wichtigste am Galopp ist das Angaloppieren. Ein korrekter Start in
den Galopp wird die Qualität des Galopps verbessern. Auf die &#039;Eins&#039;
von jedem &#039;Eins-Zwei-Drei&#039; kommt es an. Betrachten Sie jeden ersten
Sprung innerhalb der Galoppsprung-Abfolge als Angaloppieren. Man muss
beim Angaloppieren spüren, dass das Pferd die Vorhand hebt
und sich nicht nach vorne wirft.

&lt;/p&gt;&lt;div&gt;
 Ein Pferd entwickelt Gleichgewicht und
Versammlung im Galopp nicht, indem es lange galoppiert, sondern als
Resultat von häufigen Übergängen Trab/Galopp, Schritt/Galopp und
schließlich Halten/Galopp. Das Variieren der Galoppsprünge hilft, einen versammelten Galopp zu entwickeln, der Außengalopp
ebenso. Allerdings darf der Außengalopp nicht
übertrieben werden, er ist anstrengend für das Pferd. Beim
Wechseln durch die ganze Bahn (um dann im Außengalopp zu bleiben) sollte man die Diagonale kürzer reiten, damit das Pferd vor der
anstrengenden ersten Ecke noch einige gerade Galoppsprünge machen
kann. Außengalopp kann eine gute Übung dafür sein, um das Pferd
mehr zu „setzen“, die Kadenz zu verbessern, das Pferd gerader zu
richten und den Galopp schwungvoller zu gestalten. Trotzdem muss man
darauf achten, nicht zu viel zu verlangen, hat auch Sue Oliveira
immer wieder betont und forderte von ihren Schülern ständige, kurze
Entspannungsphasen im Schritt am langen Zügel. &lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;„Galopp
kann man auch zum Lösen des Pferdes einsetzen“, meint  Gonçalo
Oliveira, „manche Pferde lösen sich auf diese Weise besser, sie
atmen besser. Vor allem, wenn ein Pferd im Trab klemmt oder nicht
genügend Energie an den Tag legt, kann ein kurzer Galopp befreiend
wirken.“ Doch lösen kann sich das Pferd nur in einem geraden
Galopp. Die meisten Fehler beim Galopp kommen von der Schiefe des
Pferdes. Einer dieser Fehler, den man immer und immer wieder
beobachten kann, ist das Angaloppieren mit einem (meistens nach
innen) gestellten Pferd. Es ist völlig unlogisch, das Pferd im
Galopp nach innen zu stellen. So wird es aus der notwendigen Balance
gebracht und der Schub von hinten nach vorne gestört. Folgen: das
Pferd fällt entweder auf die innere oder äußere Schulter, meistens
kommt die Kruppe nach innen und oft wird es viel zu schnell im
Galopp. 
&lt;/p&gt;

&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Sind
alle Voraussetzungen gegeben und die Übergänge von Galopp zum
Schritt stimmen, ohne dass das Pferd zwischendrin auseinander fällt
und auch im Außengalopp versammelt und gerade bleibt – erst dann
gibt es den ersten fliegenden Galoppwechsel. Und der funktioniert
nach Oliveira folgendermaßen (am Beispiel vom fliegenden Wechsel von
rechts nach links): Am Anfang einer langen Bahnseite galoppiert man
das Pferd im korrekten Rechtsgalopp an. Nach drei bis vier
Galoppsprüngen pariert man durch zu einigen Schritten im
(versammelten) Schritt. Dann galoppiert man im Außengalopp an,
wieder nur drei bis vier Sprünge. Wieder durchparieren zum Schritt.
Diese Abfolge (Rechtsgalopp, Schritt, Linksgalopp, Schritt)
wiederholt man fünf,- sechs-, siebenmal oder mehr hintereinander auf
einem großen Zirkel.  Beim (zum Beispiel) achten Mal angaloppieren
im Außen- beziehungsweise Linksgalopp verzichtet man auf das
Durchparieren in den Schritt und gibt möglichst an einem
Zirkelpunkt, an dem man vorher schon rechts angaloppiert ist, die
Hilfe für den Rechtsgalopp. Klingt einfach? Ist es auch. Und logisch
für´s Pferd.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Manche
Pferdefachleute behaupten übrigens, dass Pferde in Freiheit aus
Energiespargründen nur im äußersten Fall den Galopp wählen. Diese
These deckt sich allerdings nicht mit meinen Erfahrungen. &lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Ich sage,
Pferde galoppieren gerne – es scheint ihnen mehr Spaß zu machen
als zu traben. Das ist jedenfalls, was ich täglich aus den Fenstern
meiner Wohnung beobachten kann. Wenn die Pferde auf den Koppeln des
benachbarten Pensionsstalls miteinander spielen, bewegen sie sich
immer mehr im Galopp als im Trab. Und wenn ich nach dem Reiten auf
meinem kleinen Reitplatz vor dem Haus meinem 27-jährigen
Araberhengst Sattel und Zaumzeug ausziehe, galoppiert er gut gelaunt
aus dem Stand in sein offenes „Zimmer“ im Stall zurück, jedes
Mal. Er könnte das auch im Trab tun. Tut er aber nicht.&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;font size=&quot;2&quot;&gt;----------------------------------------------------------------------------------------------------------------&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;i&gt;&lt;span class=&quot;moze-important&quot;&gt;Wie
wichtig die korrekte Galopparbeit sein muss, weil der Pferdekörper
in dieser Gangart Extremes leistet, verdeutlichen diese Zahlen von
Dr. Christian A. Bingold, Pferdeklinik Großostheim. &lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;span class=&quot;moze-important&quot;&gt;
&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;i&gt;&lt;span class=&quot;moze-important&quot;&gt;Die
maximale Belastung pro Pferdebein bei Landung im Galopp beträgt das
2,5 fache des Körpergewichtes -  &lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;i&gt;&lt;span class=&quot;moze-important&quot;&gt;bei
einem 600 kg Pferd sind das 1,5 Tonnen. Dabei spielt sich Folgendes
im Pferdekörper ab:&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;i&gt;&lt;span class=&quot;moze-important&quot;&gt;Herzleistung
		110-250 Schläge pro Minute &lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;span class=&quot;moze-important&quot;&gt;
		&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
		&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;i&gt;&lt;span class=&quot;moze-important&quot;&gt;Atem
		110-140 Züge pro Minute &lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;span class=&quot;moze-important&quot;&gt;
		&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
		&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;i&gt;&lt;span class=&quot;moze-important&quot;&gt;Sauerstoffverbrauch
		20 - 80 Liter pro Minute &lt;br&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;br&gt;&lt;span class=&quot;moze-important&quot;&gt;
&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;</description>
            </item>
                    <item>
                <title>Sue Oliveira: Eine Hommage</title>
                <link>http://www.kbs-riding.de/lesestoff/params/post/1622960/sue-oliveira-eine-hommage</link>
                <pubDate>Sun, 14 Oct 2018 07:57:00 +0000</pubDate>
                <description>&lt;img src=&quot;//site-647779.mozfiles.com/files/647779/medium/Sue_Oliveira_und_Bariton.jpg?1539505382&quot;&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;&lt;span class=&quot;moze-tiny&quot;&gt;Sue Oliveira auf Bariton. Foto: Familienarchiv Oliveira&lt;/span&gt;&lt;br&gt;&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;Von
Kathrin Brunner-Schwer&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;b&gt;Reiten
lernen wird heutzutage unterschätzt. Der extrem komplexe Prozess 
dieses Lernvorgangs leidet unter dem Pragmatismus unserer
leistungsorientierten Gesellschaft. Alles muss schnell gehen.
Effizient sein. Immerhin bezahlt der Reitschüler ja dafür. Dabei
ist Reiten lernen einer der langwierigsten und schwierigsten
Prozesse, die man im Leben absolvieren kann. Er führt in viele Sackgassen und endet nie. Und der
Reitlehrer ist die Schlüsselfigur in diesem Prozess. Ich möchte hier von einer ganz besonderen Reitlehrerin erzählen, einer Frau, die im Leben von sehr vielen Reitern... alles veränderte: Sue Oliveira. Eine Hommage.&lt;br&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;i&gt;&lt;/i&gt;Der
Reitlehrer ist die einflussreichste und wichtigste Person im Leben
eines Reitschülers. Er ist mehr als nur „die halbe Miete“ - er
ist die ganze. Er ist der Mediator zwischen Reiter und Pferd. Denn
Reiten ist viel mehr als bloße Körperbeherrschung und Know-how.
Reiten ist kein Sport. Reiten ist die komplexe Kommunikation
mit einem Lebewesen, das es zu verstehen und zu erfühlen gilt. Und
das &lt;i&gt;ein &lt;/i&gt;&lt;i&gt;Recht&lt;/i&gt;
darauf hat, verstanden und erfühlt zu werden. Ein Pferd hat exakt
dieselben Befindlichkeiten wie ein Mensch. Es versteht
oder versteht
nicht.
Es kann sich gut
oder es kann sich schlecht
fühlen – genau wie ein Mensch. Und um das Ganze noch komplizierter
zu machen, als es ohnehin schon ist: Pferde sind viel sensibler als
Menschen. Sie spiegeln direkt, unmittelbar und schnörkellos die
physische und psychische Verfassung ihres Reiters wieder. Ein
erfahrener Reitlehrer erkennt eben diese Befindlichkeiten sowohl beim
Reiter als auch beim Pferd. Oft reicht ihm sogar allein der Blick auf
das Pferd, um Rückschlüsse auf die Befindlichkeit seines Schülers
zu machen. Jahrzehnte lang habe ich bei
Dutzenden von Reitlehrern gelernt. Bis ich den einen, genauer gesagt
&lt;i&gt;die&lt;/i&gt;&lt;i&gt;
eine&lt;/i&gt; fand, die alles änderte. Und zwar so fundamental, dass ich
quasi bei Null wieder anfangen musste und auch wollte:
Sue Oliveira. Sie stellte mich komplett auf den Kopf, schüttelte
mich durch und setzte alles nach und nach neu zusammen. 

&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Zu
Sue Oliveira kamen Reitschüler, die auf der Suche waren. Die das
„Vorne ziehen, hinten treiben“ überdrüssig hatten und wissen
wollten, wovon Nuno Oliveira in seinen Büchern sprach. Immer wieder
gefragt, wo denn der Unterschied liege zwischen modernem Dressursport
und den klassischen Prinzipien, antwortete sie jedes Mal mit
folgendem Vergleich: „Das eine ist Bodenturnen, das andere
Ballett.“&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Sue
Oliveira unterrichtete derart logisch und eindrücklich, dass ich sie
noch heute sprechen höre, wenn ich auf einem Pferd sitze. Sie konnte
sowohl beruhigen als auch anfeuern und brachte nie Verwirrung in eine
Stunde. Jeder ihrer Reitschüler vertraute ihr in kürzester Zeit
hundertprozentig, sie ließ niemanden allein, auch nicht für eine
Minute. Sie verstand es, gekonnt zu loben, zu ermutigen oder auch zu
kritisieren, ohne dass man sich angegriffen fühlte. Ihre Erklärungen
waren immer plakativ. Sie wußte die Lösung für alle
Probleme, ohne Schüler und Pferd den Eindruck zu geben, dass einer
von beiden untalentiert ist. Und hatte sie wiederum den Eindruck,
dass ein Schüler nicht wirklich verstehen wollte,
dann erklärte sie pragmatisch und direkt: „Dein Pferd muss jetzt
da durch, weil du
es bis dato falsch gemacht hast“. Ganz zu schweigen von den
Momenten, in denen sie sich selbst auf das Pferd des Reitschülers
setzte, um Probleme zu lösen. Jedesmal weiteten sich die Augen der
Pferdebesitzer vor Staunen, wie sich ihre Pferde unter Sue
verwandelten. Wenn sie sie dann fragten „Sue, wie machst du das
nur?“ antwortete sie stets: „Das ist Jahrzehnte lange Erfahrung.
Die Légèreté kommt nicht von alleine. Sie ist das Ergebnis von
viel Arbeit und noch mehr Geduld – für den Reiter“. 
&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Und
noch etwas zeichnete Sue Oliveira als kluge Lehrerin aus: Sie
beendete die Stunden immer, wenn etwas richtig gut geklappt hatte.
Anfangs dachte ich, sie tue das für das jeweilige Pferd. Denn man
sollte eine Arbeitseinheit immer beenden, wenn eine Korrektur oder
eine neue Trainingsaufgabe vom Pferd verstanden wurde. Loben und
sofortiges Absitzen sind ungeheuer effizient, damit das Pferd am
nächsten Tag den Gang in die Reithalle mit etwas Positivem
assoziiert. Sue tat das aber auch für den Reitschüler. Weil sie
genau wußte, dass zum Beispiel nach dem allerersten fliegenden
Galoppwechsel eine Wiederholung desselben unmittelbar im Anschluß
garantiert in die Hose geht. Nicht unbedingt, weil es das Pferd nicht
konnte. Sondern weil die Erwartungshaltung des freudig erregten
Reitschülers nach diesem ersten Erfolg ins Unermessliche steigt –
und damit ein „fail“ vorprogrammiert ist. So freute man sich
einfach auf die nächste Reitstunde, nachdem man eine Nacht darüber
schlafen konnte. Das war klug von ihr. 
&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Nuno
Oliveira schreibt: &lt;i&gt;„Um zu erreichen, dass der Schüler dieses oder
jenes bei seinem Pferd erreicht, muß man zunächst seine Fähigkeiten
beurteilen können, den besten Weg finden, sich ihm verständlich zu
machen und den besten Weg, damit er sich seinem Pferd verständlich
machen kann“ &lt;/i&gt;(aus „Klassische Grundsätze der Kunst Pferde
auszubilden“, Olms Presse 1996). Vor allem, „sich verständlich
machen“. Daran hapert es oft innerhalb der Kommunikation von
Schüler und Lehrer. Dann endet das Ganze schnell in Überforderung.
Man kommt nicht mehr mit. Zu schnell. Zu viel. Zu wenig erklärt.
Daraus resultiert in Folge oft ein Mangel an Wertschätzung. Wer das
nicht für sich spürt, kann das auch nicht an sein Pferd
weitergeben. Deshalb ist es auch die Aufgabe eines Reitlehrers, für
diese Wertschätzung zu sorgen. 
&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Allerdings ist ein solcher Reitlehrer auch Bildermaler, Interviewer und
Feinmechaniker.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Wieso?&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;i&gt;Der
Bildermaler&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Wenn
ein Reitschüler etwas nicht begreift, liegt es an der Erklärung des
Reitlehrers und nicht am Schüler. Es ist allein Aufgabe des Lehrers
herauszufinden, auf welche Weise er den Schüler/die Schülerin
erreicht. Bilder helfen immer. Beispiel: Der Reiter/die Reiterin soll
gerade sitzen, ohne dass er oder sie sich zu sehr nach hinten oder
nach vorne lehnt. Deshalb soll er oder sie sich eine Verbindung von
seinem Bauchnabel und dem Mittelpunkt zwischen den Ohren des Pferdes
vorstellen. Ich benutze dabei gerne folgende Version: „Dein
Bauchnabel ist gepierct und an diesem Piercing ist ein Drahtseil
angebracht, das deinen Nabel mit dem Punkt zwischen den Pferdeohren
verbindet. Fällst du mit dem Oberkörper zu sehr nach vorne oder
nach hinten ...“ - den Rest überlasse ich der Vorstellungskraft.
Oder ein anderes Bild gegen die verdeckte Reiterhand: „Stell dir
vor, du hast zwei brennende Kerzen in jeder Faust. Kippst du die
Fäuste nach vorne, riskierst du, die Haare Deines Pferdes in Brand
zu setzen“. Ich weiß, das ist drastisch. Aber es hilft. Das
Copyright dafür liegt übrigens bei Sue Oliveira.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;i&gt;Der
Interviewer&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Den
vorangegangenen Erklärungen sollten Fragen folgen. Ein Reitlehrer
muss den Schüler/die Schülerin interviewen können. Die richtigen
Fragen zum richtigen Zeitpunkt beziehen den Schüler/die Schülerin
mit ein und lassen ihn oder sie nicht allein. „War diese Traversale
jetzt korrekt? Wie hat sich der Galoppwechsel angefühlt, woran
könnte es liegen, dass dein Pferd nur mit der Vorhand umgesprungen
ist?“ Die Suche nach der Antwort festigt die Erkenntnis. Immer.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;i&gt;Der
Feinmechaniker&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Der
Reitlehrer muss die allerkleinsten Fehler erkennen und justieren
können. Wenn ein Pferd auf seiner (je nach Größe) fünf bis zehn
Quadratmeter umfassenden Haut eine einzige Fliege ausmachen und
abschütteln kann – wie sehr bemerkt es erst, wenn zum Beispiel
eine Reiterin im Sattel zu sehr nach rechts hängt. Das habe ich erst
neulich wieder im Video von der Reitstunde eines derzeit hoch
gepriesenen Reitlehrer-Gurus beobachtet. Er wollte, dass das Pferd der
Schülerin sein linkes Hinterbein mehr untersetzt und korrigierte sie
auf alle möglichen Weisen. Ohne dabei zu bemerken, dass das Mädchen
rechts runterhing und sich das Pferd natürlich auszubalancieren
versuchte und hinten rechts mehr untertrat als hinten links. Mit
Sicherheit war die Reiterin es auch so gewöhnt. Deshalb liegt hier
eine besondere Herausforderung für den Reitlehrer: Er muss den
Schüler/die Schülerin neu justieren und alte Muster ausmerzen. Und
das ist richtig schwer. Nicht für den Reitlehrer, sondern für den
Schüler.&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Sue Oliveira war all dies in Personalunion. Sie hat mich zutiefst geprägt. Sie starb viel zu früh am 11. September 2007. Trotzdem ist sie an meiner Seite und begleitet mich zu allen Kursen und Reitstunden. &lt;br&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;br&gt;&lt;/p&gt;</description>
            </item>
                    <item>
                <title>Wieso macht der immer &quot;Aaaaah&quot;?</title>
                <link>http://www.kbs-riding.de/lesestoff/params/post/1583391/wieso-macht-der-immer-aaaaah</link>
                <pubDate>Fri, 17 Aug 2018 08:22:00 +0000</pubDate>
                <description>&lt;p style=&quot;&quot; class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot; class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;img src=&quot;//site-647779.mozfiles.com/files/647779/medium/beziers_braunes_pferd_1.JPG&quot;&gt;&lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot; class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;span class=&quot;moze-tiny&quot;&gt;Foto: kbs&lt;/span&gt;&lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot; class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Von Kathrin Brunner-Schwer&lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot; class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Gibt es eine universelle Sprache, in der ich mit meinem Pferd kommunizieren kann? Oder anders: gibt es eine sprachliche Kommunikationsebene, die &lt;i&gt;jedes &lt;/i&gt;Pferd tatsächlich versteht? Die Antwort lautet: Ja. Luis Valença erklärt, wie es funktioniert.&lt;br&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot; class=&quot;moze-justify&quot;&gt;„Betrachte
dein Pferd, was die Kommunikation angeht, wie ein kleines Kind“, sagt der
portugiesische Reitmeister. „Der erste Kontakt ist von großer
Bedeutung. Dabei ist die Stimme das Wichtigste. Das gilt sowohl für
das junge als auch für das schon reifere Pferd, das den Besitzer
wechselt.“ Das Geheimnis liegt im „Aaaah“. Wer den
portugiesischen Reitmeister bei der Arbeit beobachtet, wird bemerken,
dass er immer wieder „Aaaah“-Laute von sich gibt. &lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot; class=&quot;moze-justify&quot;&gt;„Man
fängt mit einem tiefen, sanften, langgezogenen ‚Aaaah‘ an. Dabei
berührt man das Pferd an Stellen am Körper, wo ihm die Berührung
angenehm ist: vorzugsweise zuerst am Widerrist, weil Pferde durch
gegenseitiges Kraulen an der Stelle ihre soziale Bindung festigen.“
Angenehm ist auch die Berührung am unteren Halsansatz, weil da die
Mutterstuten ihre Fohlen schmusen oder auch an der Mitte des Halses. Also: Das
tiefe, weiche „Aaaah“, verbunden mit der zärtlichen Berührung
an einer angenehmen Stelle, „vermittelt etwas Positives“, sagt
Valença. „Pferde verstehen das sofort.“&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot; class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Im
nächsten Schritt folgt das kurze, bestimmte, etwas höhere „Ah“
oder auch ein „Ah Ah“, wenn das Pferd etwas Unerwünschtes tut.
„Das ist wie bei Kindern“, so Valença, „die verstehen das auch
sofort. Es ist der Ausdruck der Stimme, der zählt.“ Er fasst
zusammen: „Die stimmliche Kommunikation mittels des positiven, langezogenen
‚Aaaah‘ und des neagtiven, kurzen ‚Ah‘ etabliert eine
Verständigungsbasis zwischen Mensch und Pferd, die den Einsatz von
Gewalt völlig unnötig macht.“ Seit über 50 Jahren kommuniziert
der Reitmeister so mit allen Pferden, „und es funktioniert immer“.&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot; class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Wer
die „Aaaah“-Kommunikation erfunden hat – Luis Valença weiß es
nicht. Er selbst hat sich die Methode bei Nuno Oliveira abgeschaut.
Wozu er auch eine Anekdote weiß: „Als ich bei ihm in die Lehre
ging kamen eines Tages einige Besucher aus Deutschland zu ihm auf die
Anlage. Er ritt gerade eines seiner jungen Pferde. Einer der Besucher
drehte sich zu mir und sagte besorgt: Ich glaube, Herrn Oliveira ist krank! Hat er Schmerzen? Er macht ständig ‚aaaah‘…“!&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot; class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;</description>
            </item>
                    <item>
                <title>Das Pferd ist ein Tänzer an Deiner Hand</title>
                <link>http://www.kbs-riding.de/lesestoff/params/post/1558868/das-pferd-ist-ein-tanzer-an-deiner-hand</link>
                <pubDate>Mon, 09 Jul 2018 11:29:00 +0000</pubDate>
                <description>&lt;div&gt;&lt;img src=&quot;//site-647779.mozfiles.com/files/647779/19141629_649277921937247_169260509_n.jpg&quot;&gt; &lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;span class=&quot;moze-tiny&quot;&gt;Foto: Nico Alexander&lt;/span&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Von Kathrin
Brunner-Schwer
&lt;/div&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Haben Sie Ihr Pferd schon
einmal dabei beobachtet, wie es gutgelaunt auf der Koppel mit den
anderen spielt und dabei „eine Show abzieht“? Wie es sich im
Spiel aufrichtet? Wie es sich
raumgreifend bewegt und dabei den Rücken wölbt? Kurz: wie es
Schwung zeigt? Nein? Achten Sie einmal darauf. Denn: der Schwung ist
der Spiegel der Psyche des Pferdes. 

&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Schwung ist das
Fundament, auf dem alles aufbaut. Schwung kommt aus der Hinterhand:
Wenn die Tritte kraftvoller werden, können die Hinterbeine vermehrt
Gewicht aufnehmen; die Schubkraft erhöht sich, das Pferd kann sich
leichter ausbalancieren. Die Energie, die das Pferd durch einen
erhöhten Schwung entwickelt, macht alles einfacher: Sie führt zu
mehr Spannkraft und zwar sowohl im Schritt als auch im Trab und im
Galopp. Diese Energie kann dabei helfen, das Pferd gerade zu richten,
sie kann Verspannungen im Pferdekörper lösen und wirkt sich positiv
auf Verhaltensprobleme aus. Denn ein schöner Schwung und der damit
verbundene Energiefluss ist angenehm für das Pferd, es bekommt
Freude an der Bewegung – so wie es umgekehrt beim Spielen auf der
Koppel in guter Laune von sich aus „in Schwung kommt&lt;i&gt;“. Ein
schwungvolles Pferd ist ein gut gelauntes Pferd.&lt;/i&gt; Wie viele
Reiter dachten schon insgeheim, wenn sie ihr Pferd beim Freispringen
oder beim freien Spielen beobachteten, „wie schön, wenn es das
auch beim Reiten zeigen würde“...
&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Schwung heißt aber nicht
Geschwindigkeit. Hier liegt oft der große Fehler. Vermehrt zu
treiben um mehr Schwung zu bekommen bewirkt das Gegenteil: Die Tritte
werden flacher, das Pferd wird steif,  es strampelt, fällt auf die
Vorhand und wechselt im schlimmsten Fall in die nächst höhere
Gangart, aus der es dann wieder herunter gebremst werden muss. Hier
kommt die Kadenz ins Spiel, sie reguliert den Schwung. Die Kadenz ist
angeboren, jedes Pferd hat einen gewissen Grad an Kadenz. Sie ist der
mit Energie geladene, kraftvolle Takt, der dem Pferd  Ausdruck
verleiht und die Schwebephasen beeinflusst. Ein Pferd mit einer guten
Kadenz wird bei der Aufforderung, mehr Schwung zu zeigen, nicht
schneller werden. Deshalb gehören Schwung und Kadenz zusammen wie
Butter und Brot.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Ein Pferd muss die Hilfen
des Reiters kennen, bevor es darauf  mit Schwung reagieren kann. Viel
zu oft und gerade bei Pferden, die in ihrer Ausbildung noch in die
Grundschule gehen, setzen Reiter Hilfen ein, die ihre Pferde noch gar
nicht hundertprozentig gelernt haben. Solange das Pferd sich noch
nicht wirklich sicher ist, was diese Hilfe bedeutet, reagiert es bloß
darauf, es antwortet nicht. Andererseits muss ein Pferd die Hilfen
auch respektieren. Ein von ständigem Treiben abgestumpftes,
schenkeltotes Pferd wird niemals Schwung zeigen. &lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Vor Jahren habe ich
einmal einen sehr hübschen schwarzbraunen Spanier geschenkt
bekommen, dessen Besitzer nicht mehr mit ihm zurecht kam. Die (leider relativ vielen) Reiter,
die ihn vorher gearbeitet hatten, hatten ihn vollkommen verdorben: Er
reagierte auf absolut nichts mehr, weder Schenkel noch Gerte noch
Sitz, man musste ihn  mit den Sporen traktieren, um ihn überhaupt
vorwärts zu bringen - und das, obwohl er schon sehr weit ausgebildet
war! Manchmal blieb er auch ganz einfach stehen und reagierte auf gar
nichts mehr.  Eine tickende Zeitbombe, denn der Hengst hatte immer
wieder versucht, sich auf die anderen Pferde in der Halle zu stürzen. &lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Meine Lehrerin und Freundin Sue Oliveira, Nuno Oliveiras
Schwiegertochter, hieß mich folgendes zu tun: Ich sollte die Zügel
aus der Hand geben und vor mir auf den Widerrist legen. Dann reichte
sie mir zwei Gerten, eine für jede Hand. Ich sollte völlig
entspannt mit ihm auf dem Hufschlag stehen und ihn einmal mit den
Schenkeln kurz zum Vorwärtsgehen auffordern – was er natürlich
vollkommen ignorierte. Sofort im Anschluss sollte ich mit beiden
Schenkeln und mit beiden Gerten &lt;i&gt;gleichzeitig&lt;/i&gt; auffordern und
„Los!“. Mein Spanier schoss  auch los, er war vollkommen
überrascht. Nach ein paar Metern Renngalopp lobte ich ihn
überschwänglich und parierte ihn mit der Stimme durch. Das Ganze
mussten wir beide nur noch einmal wiederholen – dann hatte mein
Hübscher begriffen: „Ach so, Schenkel heißt, vorwärts‘!“ &lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Anschließend hatte ich nie wieder Probleme mit ihm, er antwortete
auf das leiseste Schenkelsignal und entwickelte einen Schwung, der
ganz außerordentlich war für einen Spanier. Mehr noch: Er hörte
damit auf, in der Reithalle auf andere Pferde losgehen zu wollen.
Wenn ich merkte, dass er mal wieder zu den anderen schielte, forderte
ich ein wenig mehr Energie. Dann kehrte seine
Konzentration zurück und seine Freude an der Bewegung. Ich rate
jedoch:&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt; &lt;/font&gt;&lt;i&gt;Unternehmen Sie diese Art des
„Reset“ bei Ihrem Pferd nicht ohne professionelle Hilfe – es
könnte für den Reiter sehr gefährlich werden, zumal Sie die Zügel
dabei nicht einsetzen, ja nicht einmal in die Hand nehmen dürfen!&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Zum Thema „Hilfen“ für
den Schwung. Nennen wir die sogenannten „Hilfen“ an dieser Stelle
einmal „Stichwörter“. Auf ein Stichwort folgt in der Regel der
Einsatz, nicht wahr? Entsprechend sollten Ihre Hilfen sein: Ein
Stichwort, auf den der Einsatz des Pferdes folgt. Das Pferd ständig
mit Hilfen „zuzuquatschen“ bewirkt, wie bereits erwähnt, dass es
nicht mehr auf seinen Reiter hört. Und das geht schneller, als es
einem lieb ist. &lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Je besser ein Pferd auf die Hilfen reagiert, umso
größer wird sein Schwung. Wenn Sie fühlen, dass Ihr Pferd
energielos tritt, fragen Sie mit einem kurzen Schenkelimpuls nach
zwei oder drei Tritten vermehrter Energie – um es dann sofort mit
dem Sitz und nicht mit den Zügeln (!) abzubremsen. Anders erklärt:
Man braucht nur zwei oder drei Schritte im selben Gang, im selben
Rhythmus, Tempo und Richtung, um die verlorene Energie wieder
herzustellen. 

&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Sie wissen, dass Sie es
richtig gemacht haben, wenn:
&lt;/p&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;die Tritte länger und
	erhabener werden&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;die Anspannung im
	Pferdkörper nachlässt&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;das Pferd gerader wird&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;das Pferd runder wird&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;das Pferd herzhaft
	abschnaubt&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Wenn Sie dann absteigen würden, um Ihrem Pferd ins
Gesicht zu sehen – dann würden Sie einen besonders lebendigen
Ausdruck in seinen Augen finden. Tun Sie das doch mal. Steigen Sie
sofort nach der Übung ab und schauen Sie Ihrem Pferd in die Augen.
Sie werden staunen, was sie in diesen Augen finden.
&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;b&gt;&lt;i&gt;&quot;Liebst
Du den Tanz? Das Pferd ist ein Tänzer an Deiner Hand, ein Tänzer in
die Unendlichkeit. Aus dem Schwung, dem Du ihm mitteilst, folgt die
Leichtigkeit, folgt das Schweben. Alle Kraft fühlst Du sich unter
Deinem Sattel vereinigen.&amp;nbsp;&lt;/i&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;b&gt;&lt;i&gt;Das Land bleibt hinter Dir zurück. Die
Welt fliegt an Dir vorüber. Dein Tänzer trägt Dich davon.&quot;&lt;/i&gt;&lt;/b&gt;&lt;br&gt;(Rudolf
Georg Binding, deutscher Schriftsteller, 1867 – 1938)

&lt;/p&gt;</description>
            </item>
                    <item>
                <title>Schulterherein gegen den Nebel des Grauens</title>
                <link>http://www.kbs-riding.de/lesestoff/params/post/1551587/schulterherein-gegen-den-nebel-des-grauens</link>
                <pubDate>Tue, 26 Jun 2018 18:34:00 +0000</pubDate>
                <description>&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;moze-tiny&quot;&gt;&lt;img src=&quot;//site-647779.mozfiles.com/files/647779/medium/IMG_20180626_2031015bearb_bearbeitet-1.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;moze-tiny&quot;&gt;Von links: Eddy Willems, Kathrin Brunner-Schwer mit Graminho, &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;moze-tiny&quot;&gt;Gon&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;moze-tiny&quot;&gt;çalo
Oliveira mit Donizetti bei einer Vorführung in Neu-Anspach. Foto: Christiane Slawik&lt;/span&gt;&lt;br&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Von Kathrin
Brunner-Schwer&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;Es
war Ende der neunziger Jahre. Gon&lt;/font&gt;&lt;span lang=&quot;&quot;&gt;çalo
Oliveira und ich hatten einen Auftritt bei der &quot;Royal Horse Gala&quot; im
österreichischen Linz. &lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;Gon&lt;/font&gt;&lt;span lang=&quot;&quot;&gt;çalo
Oliveira &lt;/span&gt;mit dem mausfalbenen Lusitanohengst
Donizetti, der einmal seinem Großvater Nuno Oliveira gehört hatte.
Ich auf meinem Vollblut-Araberhengst Graminho aus dem portugiesischen
Nationalgestüt. Unser Pas-de-Deux saß, für uns kein Grund nervös
zu sein. Wir hatten unsere Pferde zuvor in der kleinen Aufwärmhalle
ein wenig gelockert, beide waren cool und ganz leicht in der
Hand. Also warteten wir entspannt Seite an Seite auf unseren
Pferden hinter dem riesigen Bühnenvorhang auf das Einsatzzeichen des
Produktionsleiters. Wir hörten den Moderator sprechen und unsere Musik setzte
ein. Dann öffnete sich der Vorhang ... und wir sahen ... nichts. In
Bruchteilen von Sekunden waren wir vom beißenden Rauch einer
Nebelmaschine umhüllt. Grelles blaues Licht von Scheinwerfern
blendete uns schmerzhaft. Das weiße Zeug um uns herum war so
dicht, dass wir nicht einmal mehr den Boden erkennen konnten – der
Nebel des Grauens. &lt;/span&gt;

&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;Genau
so schnell wie mir die Augen zu tränen begannen verwandelte sich
mein Graminho unter mir in einen soliden Betonklotz. Er schrie mich
förmlich an: “Wenn du denkst, ich geh da jetzt raus, hast du dich
geschnitten!”. Er fing an zu piaffieren und reagierte kein
bißchen auf meine Aufforderung, doch bitte vorwärts zu gehen - “auf gar keinen Fall! Kannst alleine da rausgehen, ohne mich!”.
Aus den Augenwinkeln sah ich, dass Gonçalo exakt dieselben Probleme
mit Donizetti hatte. “Was ist das?” zischte Gonçalo – von
Nebel und grellem Licht war weder bei den Proben noch sonst die Rede
gewesen. Wir hatten keine Zeit, uns darüber den Kopf zu zerbrechen.
Wir mussten da &lt;i&gt;irgendwie &lt;/i&gt;rein, mehr als 3000 Zuschauer warteten auf
das Pas-de-Deux. Das Intro unserer Musik sollte nur
noch ein paar Sekunden laufen.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Gonçalo
und ich sprachen uns so schnell ab wie noch nie zuvor. Wir warfen den
Anfang der eingeübten Choreographie über den Haufen und richteten
die Pferde ins Schulterherein. Ganz dicht nebeneinander ritten wir in
Schulterherein im Nebel ungefähr dorthin, wo wir die Reitbahn
vermuteten. &lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;Die ersten Meter war das Ganze noch eine reichlich
verspannte Mischung aus Piaffe und Schulterherein – aber immerhin
waren wir in dem Nebel auch kaum zu sehen. Hoffte ich. Erst ungefähr bei “X”
lichtete sich die Sicht. Wir blieben nebeneinander auf der
Mittellinie in Schulterherein, vier Schritte rechts herum, vier
Schritte links herum, jeder eine Volte in Travers, dann wieder
Schulterherein und so weiter. Als die Musik für die Trabsequenz
wechselte, konnten wir im normalen Programm weitermachen –
Donizetti und Graminho hatten losgelassen und konzentrierten sich. Was passiert war: die Produktion hatte sich
kurzfristig entschieden, ihre nagelneue Nebelmaschine ausgerechnet bei unserem
Pas-de-Deux einzusetzen. Doch irgend jemand hatte viel zuviel
Nebelfluid zugeführt; das Gerät war explodiert.&lt;/font&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot; lang=&quot;&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;Gerade
in Ausnahmesituationen und einer ungewohnten Umgebung ist
Losgelassenheit keine Selbstverständlichkeit.  Dabei macht es keinen
Unterschied, ob man sich gerade auf einem gemütlichen Ausritt
befindet („Oh nein! Ein Mähdrescher!“) oder bei einer Vorführung im Showring einer
Pferdemesse mit extremem Lärmpegel, Kinderwagen mit rosa Schirmchen
und wuselnden Menschen. Losgelassenheit ist das Resultat
korrekter Arbeit. Und die wiederum basiert auf Vertrauen. Denn: unter Zwang funktioniert das nicht,
jedenfalls nicht verlässlich.&lt;/font&gt;
&lt;/p&gt;

&lt;p style=&quot;&quot;&gt;
Eine der beiden &lt;i&gt;wichtigsten
&lt;/i&gt;Übungen in der Kategorie &quot;Hör auf mich, bleib bei mir&quot; ist das Schulterherein. Es mag
mittlerweile abgedroschen klingen – aber der Satz „das
Schulterherein ist das Aspirin des Pferdes“ ist einfach wahr.
Vielleicht sollte man ihn etwas moderner fassen: „Das
Schulterherein ist das Ritalin des Pferdes“ (Ritalin ist ein
Medikament, das bei ADHS, der
Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung beim Menschen
eingesetzt wird). Schulterherein ist das Top-Mittel bei Konzentrationsstörungen.
Es wirkt sofort unter anderem auf Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sowie auf das
Kreuzbein und damit die Hinterhand. Es veranlasst das Pferd dazu, die Bauchmuskulatur
anzuspannen und den Rücken nach oben zu wölben sowie Gewicht auf die Hinterhand aufzunehmen. Das
Pferd findet zurück zur Konzentration. Es wird ruhig und lässt los. Erst kürzlich wieder beklagte sich eine Reiterin bei mir über ihr Pferd, das
beim Ausreiten nie an einer bestimmten Stelle des Zauns vom
benachbarten Bauern vorbei gehen würde. Jedes Mal müsse sie
absteigen und ihr tänzelndes Pferd daran vorbei führen.
Ich riet ihr zu Schulterherein, ein paar Schritte rechts, ein paar
Schritte links herum – schon bevor sie zu der Stelle kam. Zwei
Wochen später rief sie mich an: Sie könne ihr Pferd nun am langen
Zügel am Zaun vorbei reiten...&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Fazit: Schulterherein beruhigt, entspannt und gymnastiziert. Es fördert die Logelassenheit und hilft im Übrigen auch dabei, das Pferd gerade zu richten. &lt;br&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;
&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;
&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;&lt;br&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;
&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;
&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;
&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;</description>
            </item>
                    <item>
                <title>Über die Psyche des Pferdes, die wir niemals erfassen können</title>
                <link>http://www.kbs-riding.de/lesestoff/params/post/1532973/uber-die-psyche-des-pferdes-die-wir-niemals-erfassen-konnen</link>
                <pubDate>Mon, 04 Jun 2018 09:04:00 +0000</pubDate>
                <description>&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;img src=&quot;//site-647779.mozfiles.com/files/647779/medium/Juju_und_Doudou_Foto_Brunner-Schwer.JPG&quot;&gt;&lt;br&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;moze-tiny&quot;&gt;Foto by kbs&lt;/span&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;Von Kathrin Brunner-Schwer&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;b&gt;Dies ist die Geschichte eines sogenannten „Problempferdes“.
Ein Paradebeispiel dafür, was dabei heraus kommen kann, wenn man
ganz einfach Zeit investiert. Ein Paradebeispiel aber auch für die Tatsache, dass die Pferdepsyche unendlich viel komplexer ist, als wir uns jemals vorstellen können: Eine Geschichte, die Staunen macht.&lt;/b&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Es
war im Mai 1997 auf der Reitanlage von Luis Valenças
„Centro Equestre da Leziria Grande“ in Vila Franca de Xira
nördlich von Lissabon. Da
stand er. Schwarz, dünn und kaum bemuskelt, ewig lange Beine. Mit
einem braunen und einem blauen Auge, ein bißchen wie David Bowie. Er
stand mitten auf dem Weg vor dem Eingang der Reithalle.
Ilidio Simão, einer der jungen Bereiter von Valença, hatte ihn am
Strick. Unter seinen schwarzen Locken schaute mir der junge Hengst
unverholen ins Gesicht und fixierte meinen Blick. Das war&#039;s –
Liebe.&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Sein
Name war „Judas“ (sprich „Schudasch“), er war fünf Jahre alt
und gerade angeritten. Ich fragte Luis nach diesem Pferd. Er erzählte
mir, dass er Judas nach England verkauft hatte und dass die Leute ihn
nach zwei Monaten wieder zurückgegeben hatten, weil sie plötzlich
festgestellt hätten, dass sie mit ihm nicht züchten konnten: In
seinen Papieren steht „Cruzado Portugues“. Judas war zwar ein
reiner Lusitano, nur war seine Mutter nicht als Zuchtstute
eingetragen – deshalb fungierte er als „Cruzado“. Heute frage
ich mich, wenn die Engländer mit ihm hatten züchten wollen, warum
haben sie nicht &lt;i&gt;vor
dem Transport nach Großbritannien&lt;/i&gt;
einen Blick in die Papiere mit seiner Abstammung geworfen?
Merkwürdig.
&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Noch
am selben Tag schaute ich zu, wie Ilidio in der kleinen
Stierkampfarena des Centro Equestre Judas&#039; Cowsense testen sollte:
Ein junger Stier wurde herein gelassen... und Judas griff &lt;i&gt;unmittelbar&lt;/i&gt;
an. Ilidio, der ein hervorragender Reiter war, wurde bleich im
Gesicht, denn er konnte den Schwarzen nicht wirklich kontrollieren, weil er noch
keine Zügelhilfen kannte. Warum dieser Test? Der berühmte spanische
Stierkämpfer, Stierzüchter und Sherry-Unternehmer Álvaro Domecq
hatte ein Auge auf Judas geworfen und Luis gebeten, den Cowsense des
jungen Hengstes zu testen.&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;Am
Abend desselben Tages zuhause im Wohnzimmer der  Valenças
beobachtete mich Luis unentwegt. „Du bist so still, du bist
verliebt“, lachte er schließlich und konstatierte: &quot;Judas, nicht wahr?&quot;. Ich gab es zu und er sagte: „Ich
möchte nicht, dass Judas zu Domecq geht. Nimm du ihn“. Und machte mir einen Preis für das Pferd, der einem Geschenk glich. &lt;/font&gt;

&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;Der
portugiesische Reitmeister machte mich allerdings noch auf etwas
aufmerksam: Judas hatte extrem viel Veiga-Blut. Lusitanos aus der
Zuchtlinie von Manuel Veiga gelten als besonders talentierte
Stierkampf-Pferde. Mit ihrem konvexen Profil und  dem sehr kompakten
Körperbau entsprechen sie dem barocken Lusitano. Sie sind mutig
und extrem auf den Menschen bezogen. Vor 25 Jahren galten sie als
besonders schwierig – zu viel Inzucht hatte der Linie geschadet
(das ist mittlerweile nicht mehr der Fall). Auch Judas war stark
„ingezüchtet“: Seine Großväter mütterlicher- &lt;i&gt;und
&lt;/i&gt;väterlicherseits waren ein und derselbe Hengst: „Maravilha“,
eine schwarze Stierkampflegende.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;Einen
Monat später kam Judas zusammen mit meinem Vollblutaraber Graminho,
den ich von Luis&#039; Tochter Luisa gekauft hatte, von Portugal ins
Elsass, wo ich Anfang der 1990er Jahre meine kleine Lusitanozucht hatte. Judas benahm sich gut, lernte schnell und war im wahrsten Sinn des Wortes
darauf erpicht, Freude zu bereiten. Mittlerweile nannte ich ihn
„Juju“ (sprich „Schuschu“).&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Alles
war gut, bis wir in meine Reitanlage &lt;i&gt;ars
lusitana&lt;/i&gt;
bei Rastatt umzogen. Mit Nuno Oliveiras Enkel Gonçalo Oliveira an meiner
Seite und der väterlichen Hilfe von Luis standen in kürzester Zeit
insgesamt 12 Hengste auf der Anlage, die Gonçalo ausbildete. Juju
war einer von ihnen... und das (davon bin ich rückblickend
überzeugt) gefiel ihm nicht... und ich &lt;i&gt;erkannte &lt;/i&gt;es nicht. Obwohl er wie alle anderen Hengste
jeden Tag ausreichend Koppelgang bekam und seine große Box in der
Regel nur nachts bewohnte. Innerhalb kurzer Zeit wurde Juju zunehmend
schwierig. Es fing damit an, dass er sich plötzlich nicht mehr
longieren ließ. Sobald man ihn an der Longe auf die Zirkellinie
schickte, legte er sich hin und blieb liegen. Er stand zwar wieder
auf, wenn man es ihm sagte. Doch sobald man ihn wieder longieren
wollte, lag er wieder. Beim Reiten wurde er zunehmend mißmutiger,
ließ sich nicht mehr biegen und fing an mit Headshaking. Das
Schlimmste war der Galopp: Es wurde &lt;i&gt;lebensgefährlich&lt;/i&gt;,
ihn zu galoppieren. Er ging regelmäßig durch, in der Halle, im
Gelände, auf dem Platz. Mein schöner Juju wurde &lt;i&gt;unreitbar&lt;/i&gt;.
Überflüssig zu erwähnen, wieviele Tierärzte, Osteopathen und
Heilpraktiker ich wegen Juju auf meinem Hof hatte – &lt;i&gt;kein
einziger &lt;/i&gt;konnte
eine physische Ursache bei ihm finden. Zum Schluß sagte mir eine
Kapazität auf dem Gebiet des Bewegungsapparats: „Eindeutig Kissing
Spine. Vergessen Sie das Pferd“. 

&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Einige
Monate nach dieser verheerenden Diagnose (Juju verbrachte seine Tage
auf der Koppel) nahm sich meine Freundin Regina meinem Pferd an.
Meine Verzweiflung war groß – ihre Zuversicht aber größer. Sie
ritt Juju zweimal die Woche 20 Minuten &lt;i&gt;nur&lt;/i&gt;
im Schritt, einfach geradeaus, ohne etwas zu verlangen. Und zwar ein
ganzes Jahr lang. Wenn sie keine Zeit hatte, tat ich es. Wir wollten
nicht aufgeben und hatten uns abgesprochen, dass wir einen &lt;i&gt;kompletten&lt;/i&gt;
„Reset“ versuchen wollten. Schließlich fingen wir mit der
Gymnastizierung an: Schulterherein, Travers etc. - aber immer nur 20
Minuten. In kürzester Zeit setzte er wieder Muskulatur an, von
Headshaking und Kissing Spine war keine Rede mehr. Erst nach einem
weiteren halben Jahr begannen wir mit der Galopparbeit... und es gab
&lt;i&gt;nicht
das geringste&lt;/i&gt;
Problem mehr. Im Gegenteil: Zusammen mit Sue Oliveira begann ich,
Juju sogar das Terre-à-Terre (Galopp auf der Stelle) beizubringen.
Übungen aus der Working Equitation, einhändig mit der Stange,
machten ihm besonderen Spaß. Und er wurde mein bestes Schulpferd. 
&lt;/p&gt;

&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;Juju wurde 26 Jahre alt und lebte die letzten vier Jahre bei mir zuhause in Offenstallhaltung. Er
spielte „Stierkampf“ mit meinen Hunden, betreute seinen kleinen
Esel Doudou und galoppierte mit mir auf meinem 12 mal 25-Meter großen
Reitplatz. Nachdem sein bester Freund, mein legendärer Araberhengst Graminho am 2. Juni 2017 im Alter von 29 Jahren aufgrund einer massiven Aortaklappen-Insuffizienz über den Regenbogen ging, folgte Juju im keine acht Wochen später am 31. August. Für mich unvermittelt, auf den ersten Blick unerklärbar (&lt;i&gt;auch für die behandelten Tierärzte&lt;/i&gt;). Seltsam: nachdem Graminho gegangen war, verfiel Juju zusehends. Obwohl er weiterhin gut fraß und mit seinem Esel spielte...&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;Was ich mit dieser Geschichte sagen möchte? Die Psyche des Pferdes ist unendlich viel komplexer, als wir Menschen es jemals verstehen können. Sich dieser Tatsache jeden Tag, in jedem Moment im Umgang mit dem Pferd bewußt zu sein und ihr gerecht zu werden... ist die allergrößte Herausforderung, die es gibt.&lt;br&gt;&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;i&gt;Es
ist nicht die Uhr, welche die Dauer einer Stunde bestimmt (…). Die
Ausbildung eines Pferdes verlangt ein gerüttelt Maß an Überlegung
seitens des Reiters, Überlegung, gefolgt von genauester Beobachtung
des körperlichen und seelischen Zustandes des Pferdes, um
festzustellen, woher bestimmt Widerstände stammen. &lt;/i&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;i&gt;Nuno
Oliveira in „Erinnerungen eines portugiesischen Reiters“, Olms
Presse, 2000&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;</description>
            </item>
                    <item>
                <title>Wenn aus Biegen Brechen wird</title>
                <link>http://www.kbs-riding.de/lesestoff/params/post/1518839/wenn-aus-biegen-brechen-wird</link>
                <pubDate>Tue, 22 May 2018 07:50:00 +0000</pubDate>
                <description>&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;img src=&quot;//site-647779.mozfiles.com/files/647779/19075271_649278541937185_2078424338_n.jpg&quot;&gt;&lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;moze-tiny&quot;&gt;Foto: Nico Alexander&lt;/span&gt;&lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Von Kathrin Brunner-Schwer&lt;br&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Jedes Pferd ist schief. Das ist normal und kein Grund zum Drama. Wir
Menschen sind es ja auch. Schief meine ich. Mit der richtigen
Aufbau-Gymnastik lässt sich die natürliche Schiefe bei einem jungen
Pferd schon von Beginn an weitestgehend korrigieren. Die
Voraussetzung dafür ist aber das Gleichgewicht
des Pferdes in der Horizontalen.
Will heißen, dass es gerade
geht und sich gleichmäßig
ausbalancieren sowie Schubkraft entwickeln kann. Dass sein Hals gut
bemuskelt und stabil ist. Denn der hat später großen Anteil an der
korrekten Längsbiegung. Ohne Geraderichtung also ist nichts
gewonnen. Es gibt keinen Schwung, keine Kadenz, keine Anlehnung und
erst recht keine Biegung, von Versammlung ganz zu schweigen. Vor allem dann, wenn die natürliche Schiefe des
Pferdes per Biegung ausgemerzt werden soll. Allzu oft &lt;font style=&quot;font-size: 11pt&quot; size=&quot;2&quot;&gt;wird
dann aus dem Biegen ein Brechen.&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Wir
unterscheiden zwei verschiedene Biegungsebenen: die Längsbiegung und
die Biegung (manche nennen es auch „Stellung“ oder „Beugung“)
im Genick. Beide sind unmittelbar miteinander verknüpft. Eigentlich
ist der Ausdruck „Längsbiegung“ nicht ganz korrekt. Denn wie
hinlänglich bekannt ist, lässt sich die Wirbelsäule einer halben
Tonne schweren Körpermasse wie die des Pferdes nicht verbiegen. Sie
lässt sich allenfalls krümmen. Der Gymnastikeffekt dieser Stellung
ist die Dehnung der jeweiligen Außenseite. Das innere Hinterbein
tritt vermehrt unter und nimmt Gewicht auf, der innere Zügel wird
automatisch leichter. Die relativ kurzen Kopf- und Halsmuskeln werden
sanft gedehnt und das Pferd beginnt, seinen Hals zu biegen und sein
Genick zu beugen: All das – nennen wir es die sanfte Krümmung –
hilft schon zu Anfang, Widerstände zu überwinden, das Pferd zu
lösen und die Geraderichtung zu verbessern. Zuerst an der Longe auf
dem Zirkel, später unter dem Reiter. Nuno Oliveira und Gustav
Steinbrecht haben stets klar formuliert, dass die heutzutage „allzu
beliebte Genickrundung“ (Stichwort Rollkur) bei der Ausbildung
denkbar unerwünscht ist.
&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Die
sanfte Biegung auf dem Zirkel wird - wie später auch die stärkere
- nicht,
ich wiederhole nicht,
mit dem inneren Zügel geritten. Damit erreicht man exakt das
Gegenteil von dem, was man  eigentlich möchte – nämlich ein
gerades, leicht gekrümmtes Pferd, das Takt, Kadenz und Schwung
zeigt. Wer am inneren Zügel zieht, bekommt Widerstand: ein steifes
Genick, einen unnachgiebigen Rücken und starre Hanken. Der &lt;i&gt;innere
Schenkel&lt;/i&gt; macht die Biegung. Er liegt vorne in der Nähe des
Sattelgurts. Der äußere Schenkel liegt eine Handbreit zurück, er
begrenzt. Die Schultern des Reiters befinden sich in der Achse des
Pferdes, will heißen, die äußere Schulter wird vor genommen. Der
äußere Zügel hat steten Kontakt, der innere ist sehr weich und
darf sich auch mal öffnen, um Stellung zu geben – aber ohne Zug
auszuüben! Nur auf diese Weise erreichen wir die sanfte Dehnung der
Außenseite bei gleichzeitiger Entspannung der Inneren: Das Pferd
lässt innen los.
&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Die
gerittene, stärkere Biegung ist die Vorbereitung zur Versammlung.
Denn je stärker die Biegung umso mehr wird das Pferd das jeweilige
innere Hinterbein untersetzen und Tragkraft entwickeln. Das Ganze
muss allerdings in einem langsamen, kadenzierten Schritt geritten
werden, weil das Pferd dabei seine Gelenke biegen muss. Volten,
Schulterherein und Travers sind die Mittel der Wahl. &lt;br&gt;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Ach ja, das Schulterherein: Anders
als in der deutschen klassischen Lehre, bei der der Hals des Pferdes
in dieser Lektion gerade bleibt, ist das Schulterherein bei Oliveira
eine komplett gebogene Übung. Zitat: „Es geht nicht so sehr darum,
dass das Pferd seitwärts tritt, sondern gebogen“ (Nuno Oliveira,
„Notizen zum Unterricht“, Seite 63, Olms Verlag 1998). In
logischer Kosequenz daraus – nämlich dass hierbei auch der
Pferdehals leicht gebogen wird – lehrte Oliveira das Schulterherein
auf vier Hufschlägen. Daraus resultiert wiederum eine andere
logische Kosequenz: Mit einer solchen Biegung im Schulterherein setzt
das Pferd das innere Hinterbein stärker unter seinen Schwerpunkt,
also nach unten und
nach vorn. Für den Rumpf bedeutet das: Stretching außen,
Entspannung innen. Kontrolliert wird dabei die äußere Seite über
den äußeren Zügel und den leicht nach hinten angelehnten äußeren
Schenkel. Der innere Schenkel – klar – ist vorne am Sattelgurt. 

&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;Der
Reiter sitzt dabei immer in der Mitte des Pferdes –
und jetzt kommt das, was dem widerspricht, was wir in deutschen
Reitschulen gelernt haben: Der Reiter verlagert sein Gewicht ein
kleines bißchen nach außen, in den äußeren Steigbügel. Sagen
wir, in Form von etwa einem Pfund Butter. Warum? 

&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;In
unseren deutschen Reitschulen wird gelehrt, das Reitergewicht in den
Seitengängen nach innen zu verlagern, um das Pferd nach außen zu
drücken. Jetzt mal im Ernst: können Sie mit Ihrem Sitzgewicht ein
seitwärts gehendes, gebogenes Pferd von einer halben Tonne
Körpermasse „weg drücken“? Das können Sie nicht. Nicht einmal
Arnold Schwarzenegger hätte das gekonnt. Folge
dieser Art von  „Gewichtsverlagerung“: Das Pferd fällt in der
Schulterherein nach innen, es gibt Widerstand, die Lektion wird für
den Reiter richtig schwer zu reiten. Belastet man hingegen die äußere
gebogene Seite im Schulterherein mit ein klein wenig Gewicht (ohne
nach außen zu hängen!), erleichtert man es dem Pferd ganz
erheblich, unter seinen Schwerpunkt zu treten. Versuchen Sie das mal
an einem Menschen: Nehmen wir an, er soll einen Schritt nach rechts
machen. Drücken Sie ihm an die linke Schulter, bekommen Sie
unweigerlich Gegendruck von ihm, bis er schließlich nach rechts
stolpert. Drücken Sie ihm dagegen mit der Hand auf die rechte
Schulter, so dass es sie senkt und mehr Gewicht rechts empfindet -
wird dieser Mensch mit Leichtigkeit einen kreuzenden Schritt nach
rechts machen. Mit dieser einfachen Demonstration habe ich schon viele
Reitschüler überzeugt.
&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;</description>
            </item>
                    <item>
                <title>Ballett oder Bodenturnen?</title>
                <link>http://www.kbs-riding.de/lesestoff/params/post/1512222/ballet-oder-bodenturnen</link>
                <pubDate>Mon, 14 May 2018 21:03:00 +0000</pubDate>
                <description>&lt;p&gt;
&lt;img src=&quot;//site-647779.mozfiles.com/files/647779/medium/Foto_Ilona_Kirsch.jpg&quot;&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;moze-tiny&quot;&gt;Foto: Ilona Kirsch&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Von Kathrin Brunner-Schwer&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Anlehnung ja oder nein? Hohe Hand oder tiefe Hand,
konstante Verbindung oder durchhängende Zügel, die Zügel als
„fünftes Bein“ des Pferdes – Anschauungen, die von Fall zu
Fall ihre Berechtigung haben mögen. Die Frage ist doch: Welches Ziel
habe ich? Möchte ich hundert Punkte auf einem Turnier dafür, dass
mein „Kreuz“, meine Hände und Beine immer ordentlich „dran“
sind? Oder möchte ich, dass sich mein Pferd irgendwann  in der
perfekten Versammlung schwungvoll selbst trägt – ohne jegliche
Einwirkung des Reiters von oben? Letzteres ist das Ziel der
klassischen französischen Schule. Es nennt sich „La Descente de
Main et de Jambes“.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
„La Descente de Main et de Jambes“ kann man im
Deutschen etwa mit dem „Sinkenlassen der Hand und der Beine“
übersetzen. Es ist die &lt;i&gt;vollständige Aufgabe der Kontrolle über das
Pferd&lt;/i&gt;, während es selbstständig weiter arbeitet. In Schritt,
Trab oder Galopp, bei den Seitengängen, in der Passage oder der
Piaffe senkt der Reiter Unterarme und Hände in Richtung
Pferdeschulter, so dass die Zügel durchhängen, die Beine haben
keinen Kontakt zum Pferd, es gibt nicht die leiseste Anlehnung –
weder am Zügel noch am Bein. Wenn das Pferd dabei in seiner
Versammlung bleibt, seinen Takt, die Stellung und den Schwung nicht
verliert, dann spricht man von einer „Descente de Main et de
Jambes“.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Es ist keine Übung, sondern ein Zustand – der
Idealzustand von Leichtigkeit. Und die ist nicht nur die Maßeinheit,
wie wenig sich ein Pferd auf den Zügel legt. Leichtigkeit bedeutet
auch ein Pferd zu haben, dass schwungvoll und kadenziert mitmacht,
ohne dass der Reiter intervenieren muss – sei es mit dem Sitz, der
Hand oder dem Bein. Und weil dieser Idealzustand auch durchaus eine
Belohnung für das Pferd ist, weil der Reiter ihm nicht ständig mit
den Hilfen kommt, lernt es, &lt;i&gt;auf weniger Hilfen feiner zu
reagieren&lt;/i&gt;. Allerdings begibt sich der Reiter mit der „Descente
de Main et de Jambes“ auch in eine sehr verletzbare Position, weil
er &lt;i&gt;nicht agiert&lt;/i&gt; und somit &lt;i&gt;nicht&lt;/i&gt; &lt;i&gt;reagieren&lt;/i&gt; kann. Kontroll-Freaks
werden ihre Schwierigkeiten damit haben.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Man beginnt zuerst mit der Hand und senkt den inneren
Zügel – erst gerade, im Schritt. Bleibt das Pferd bei seinem Reiter, senkt man auch die Hand mit dem
äußeren Zügel. Es ist völlig normal, dass das anfangs nur für
ein paar Sekunden klappt, bevor sich das Pferd seiner Freiheit bewußt
wird oder seine Balance verliert und auseinander fällt. Dann ist es
immens wichtig, es mit den Korrekturen nicht zu überfallen, sondern
die Zügel sanft wieder aufzunehmen. Doch wenn es vorher – nehmen
wir hier als Beispiel ein Schulterherein - korrekt um den inneren
Schenkel gebogen ist und am äußeren Zügel steht, werden sich die
Intervalle einer „Descente de Main“ verlängern. Anschließend,
wenn das Senken beider Hände klappt, folgt die „Descente de
Jambes“: die Beine weg vom Pferd. Der Sitz bleibt gerade, die
Taille entspannt. Wichtig: man muss fühlen, wenn das Pferd dazu
bereit ist, wenn Schwung und Stellung stimmen – um dann vorsichtig
und langsam immer mehr loszulassen. 

&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Meiner persönlichen Ansicht nach gibt es noch einen
weiteren Aspekt: Das Ganze wirkt sich äußert positiv auf das
gegenseitige Vertrauensverhältnis aus. Der Reiter lernt sein Pferd
viel besser kennen, er lernt, was er in der Vorbereitung richtig oder
falsch gemacht hat wie beispielsweise zu  viel oder zu wenig
Anlehnung, zu viel oder zu wenig Schwung, zu viel oder zu wenig
Stellung. Und das Pferd wiederum lernt, seinem Menschen zu vertrauen,
der ihm freie Hand gibt, wenn der perfekte Moment gekommen ist: Es
wird sich in ein stolzes Pferd verwandeln, das Freude empfindet –
ich erlebe es immer wieder. Insofern ist das Senken von Hand und
Beinen vielleicht doch als eine gewisse „Übung“ zu bezeichnen -
nämlich als psychologische. 

&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
„Das Sinkenlassen von Hand und Bein ist der Prüfstein
wahrer Versammlung“ (Nuno Oliveira in „Klassische Grundsätze der
Kunst Pferde auszubilden“, Olms Presse 1996). Eins steht fest: mit
einer „Descente de Main“ wird man bei einem Turnier nicht mal
einen Blumentopf gewinnen. Denn es ist Ballett. Und kein Bodenturnen.
&lt;/p&gt;</description>
            </item>
                    <item>
                <title>Das System oder: Warum &#039;Bunker&#039; Oliveiras Meisterwerk war</title>
                <link>http://www.kbs-riding.de/lesestoff/params/post/1505207/das-system-oder-warum-bunker-oliveiras-meisterwerk-war</link>
                <pubDate>Sun, 06 May 2018 07:30:00 +0000</pubDate>
                <description>&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Von Kathrin
Brunner-Schwer
&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Systeme sind praktisch.
Sie helfen dem Menschen beim Lernen, beim Verstehen, bei der
Umsetzung von Abläufen. Systeme erleichtern dem Menschen das Leben.
Dem Pferd aber erschweren sie das Leben. Systeme behindern das Pferd,
zwängen es ein. Es stellt sich die Frage: Käme der Reiter ohne
starres System weiter?&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;img src=&quot;//site-647779.mozfiles.com/files/647779/medium/IMG_20180506_1013488.jpg&quot;&gt;„&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;Der
Ecuyer (der Reiter), der wahre, ist keinem System oder irgendeinem
Regelment unterworfen, er muß wissen, dass verschiedenste Wege alle
nach Rom führen können“, schreibt Nuno Oliveira in seinem Buch
„Klassische Grundsätze der Kunst Pferde auszubilden“ (Olms
Presse 1996). „Ausbildungs-Skala“, „Schematik“ oder „Methode“
- Oliveira folgte nie einem System, so wie es in Mitteleuropa gerne
propagiert wird. Und kritisierte sogar diejenigen, die von seiner
Methode als „Oliveira-Methode“ sprachen: „Ich habe keine
Methode und es existiert kein Oliverismus!“ betonte er immer, „denn
jedes Pferd ist ein Fall für sich.“ Eine Einstellung, die im
übrigen auch Luis Valen&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;ça,
Portugals großer Reitmeister aus Vila Franca de Xira, vertritt. „In
dem Moment, wo der Reiter auf irgendeinem System beharrt, hat ein
Pferd schon verloren“, sagte Luis einmal zu mir, „denn dann
beginnt der Zwang. Und Zwang ist genau das, was wir &lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;&lt;i&gt;nicht&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;
wollen.“&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;Nuno
Oliveira folgte bei seiner Arbeit mit den Pferden keinem System, aber
natürlich folgte er klassischen Regeln und Prinzipien. Seine waren
folgende: gerade, vorwärts, leicht, Balance und Schwung. &lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;Ungeheuer
belesen in der gesamten Reitliteratur der letzten Jahrhunderte nahm
er aus jedem Werk der alten Meister das, was ihm selbst plausibel
erschien. &lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;Statt mit
System ritt er  mit Logik: Er folgte der&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;
&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;Psycho-
und Physiologik &lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;des
Pferdes. Dabei forderte er viel von seinen Pferden, ohne sie jedoch
zu &lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;&lt;i&gt;über&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;fordern
oder sie zu zwingen. Sue Oliveira sagte immer: „Mein Schwiegervater
verhandelte mit seinen Pferden, er überzeugte sie von seiner Sache
und formte sie“. &lt;/span&gt;

&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;Ein
von Nuno Oliveira durch und durch überzeugtes und geformtes Pferd
war sein legendärer Budjonny-Hengst Bunker. Der im Vergleich zu
Lusitanos große, lange und hagere Fuchs mit der markanten Blesse
verbrachte seinen Lebensabend auf meiner damaligen Reitanlage im
Südwesten Deutschlands nahe Baden-Baden. Nunos Enkel Gon&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;çalo
Oliveira hatte ihn von seinem Großvater geerbt und aus Portugal
mitgebracht. Bunker war alles andere als eine Schönheit: steile
Schulter, steile Hinterhand, langer Rücken, dünner Hals, großer
Kopf und alles in allem ein eher schlaksiger Typ. Im Umgang war
Bunker extrem hengstig, man musste ständig auf der Hut sein, vor
allem wenn andere Pferde in der Nähe waren – und das läßt sich
auf einer Reitanlage kaum vermeiden. Als wir ihn 1996 auf die
Eurocheval nach Offenburg mitnahmen, wo Gonçalo eine Vorführung
reiten sollte, zerlegte der Hengst zweimal seine Box, so dass die
Messehalle für den Publikumsverkehr gesperrt werden musste.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;Aber
geritten … geritten war dieses Pferd eine Offenbarung! Bunker war
die Essenz all dessen, was Nuno Oliveira jemals geschrieben, gelehrt
und praktiziert hatte. Bunker war Nuno Oliveiras &lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;&lt;i&gt;Meisterwerk&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;.
&lt;/span&gt;

&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;Der
Budjonny-Hengst konnte &lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;alles&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;:
Schulschritt, Spanischer Schritt, Spanischer Trab, endlose
Einerwechsel im Galopp, Pirouetten auf der Fläche eines
Suppentellers, Passage und Piaffe wie aus dem Bilderbuch,
Zickzack-Traversalen in vollendeter Passage. Zudem schien Bunker -
trotz seines wirklich unvorteilhaften Gebäudes - die Arbeit auch
noch Freude zu bereiten. Ich durfte ihn reiten und hatte dabei
jedesmal das Gefühl, dass etwas in ihm vibrierte, er schien stolz zu
sein. Andere Pferde in der Reitbahn und sogar Stuten interessierten
ihn  dann überhaupt nicht mehr. Dazu kam: Bunker war der beste
Reitlehrer der Welt. Zuviel Hand, zuviel Bein, eine falsche
Gewichtung vom Reiter – und Bunker gab zu verstehen „so
funktioniert das nicht. Ich weiß zwar, was du willst, aber ich
mach&#039;s trotzdem nicht. Denn du machst da oben viel zu viel.“ &lt;/span&gt;

&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;Bunker
war 15 Jahre alt, als ich ihm zum ersten Mal begegnete. Und diesem
15-jährigen Pferd tat nichts weh. Er lahmte nie, er zeigte nirgendwo
eine Steifheit oder irgendeine Art von Verschleiß. Das einzige, was
man bei Bunker als Reiter in der Hand fühlte, war das Gewicht der
Lederzügel, sonst nichts. Nuno Oliveira hatte den jungen
Budjonny-Hengst in Belgien gekauft. „Alle, die damals Zeugen der
Wahl meines Großvaters waren, trauten ihren Augen nicht, als er
sagte, er wolle genau dieses Pferd“, erzählt Nunos Enkel &lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;Gon&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;çalo,
„es wurde hinter vorgehaltener Hand über ihn getuschelt, dieser
Mann würde ja so gar nichts von Pferden verstehen, dass er gerade
dieses steife Jungpferd haben wollte!“ Und so wurde dieses Pferd
zum lebenden Beweis für Oliveiras (auch in seinen Büchern immer
wiederholten) Behauptung, dass Systeme beim Reiten nicht existieren
sollten.  &lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;Gon&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;çalo:
„Mein Großvater arbeitete bei Bunker mehr als bei anderen Pferden
nach Baucher&#039;s Prinzip der Flexionen, also der Beugung und Dehnung.
Er arbeitete Bunker nicht nach einem System, sondern nach dem, was
das Pferd &lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;&lt;i&gt;brauchte&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;.
In jeder Sekunde, bei jeder gymnastizierenden Übung, jederzeit.“
Und auch &lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;Gon&lt;/span&gt;&lt;span lang=&quot;de-DE&quot;&gt;çalo,
der seit einigen Jahren in der Nähe von Mailand lebt, Reitschüler
unterrichtet und Pferde ausbildet, sagt: „In dem Moment, wo ein
Reiter systematisch vorgehen will, hat er schon verloren. Denn dann
rennt er gegen eine Wand aus Stein“. &lt;/span&gt;
&lt;/p&gt;&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;„&lt;i&gt;Heutzutage
betrachtet man mit Verachtung bestimmte, in ihrem Körperbau auf den
ersten Blick weniger gut ausgestattete Pferde (...) und lehnt sie ab.
Man kennt ein System, man möchte es bei einem Pferd anwenden,
welches &#039;unverzichtbare&#039; Qualitäten in sich zu vereinen scheint.
Wenn aber ein Reiter sein Pferd zu lieben und dessen Vermögen zu
verwerten weiß, wenn er sich auf alles, was die wahren Reiter
während der Jahrhunderte geschrieben haben stützt, (…) wird er
feststellen, dass viele dieser Pferde, welche man für schlecht hält,
sich großartig verbessern und zuweilen wirklich gut werden“&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;Nuno Oliveira,
„Ratschläge eines alten Reiters an junge Reiter“, Olms Presse
1999&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;moze-justify&quot;&gt;&lt;br&gt;
&lt;/p&gt;</description>
            </item>
            </channel>
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